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Der Ring

In einer einzigen woche, wie Wagner es wollte

 

Der Ring in sieben Tagen. Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung, eine Aufführung nach der anderen. Vier Opern - ein Prolog und drei “Tage” - , vier Abende, fünfzehn Stunden Musik im langen, aber konzentrierten Zeitraum einer Woche. Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag. Ein Projekt im Sinne Wagners, der den Traum einer ersten Aufführung der gesamten Tetralogie im Neuen Festspielhaus in Bayreuth 1876, vom 13. bis 17. August, Wirklichkeit werden ließ.

In dem Jahr, das Verdi und Wagner gleichermaßen feiert, wegen der 200. Wiederkehr ihres Geburtsjahres (1813), hat das Teatro alla Scala in seinen Spielplan 2012-2013 eine zweifache Tetralogie aufgenommen, gedacht für das internationale Publikum der Wagnerverehrer und der Liebhaber der Oper; ein totales Eintauchen in die visionärste Reise in der Zeit und im Menschen, die das Musiktheater seit Monteverdi bis heute vollzogen hat: vier verschiedene Inszenierungen, miteinander verbunden durch die Hand eines Regisseurs, Guy Cassiers, unter der musikalischen Leitung eines der größten Wagnerinterpreten, Daniel Barenboim, mit vier Besetzungen aus ausgezeichneten Wagner- Sängern, die die Wagnerverehrer kennen und denen sie in die Theater der Welt folgen.

In der Geschichte der Scala hat die Wagner-Tradition feste und weit zurückliegende Wurzeln. Die Oper, mit der der einunddreißig jährige Arturo Toscanini am 26. Dezember 1898 an der Scala debütierte, war Die Meistersinger von Nürnberg. Von da an bis zu seiner Landung in Amerika, dirigierte Toscanini jedes Jahr, neben Aida, La traviata, Rigoletto, Falstaff, Otello und Un ballo in maschera, Werke Wagners in fast gleichem Verhältnis: Lohengrin, Tannhäuser, Tristan und Isolde, Siegfried, Die Walküre, Götterdämmerung und Die Meistersinger von Nürnberg.

Victor de Sabata, geboren in Triest, dem Zugang zum Mittelmeer des Habsburger Kaiserreichs, hielt die Wagner- Tradition bis zu seinem Tod im Jahr 1967 hoch. Aber die Chronik zeigt eine fortlaufende Folge großer Dirigenten deutscher Kultur, wie Siegfried Wagner, Franz von Hösslin, Wilhelm Furtwängler, Clemens Krauss und Herbert von Karajan, die Wagner an der Scala dirigiert haben.

Im 20. Jahrhundert hat die Scala die ganze Tetralogie acht Mal während einer Spielsaison auf der Bühne gezeigt: 1927 und 1928 (Dirigent Ettore Panizza, ein Argentinier italienischen Ursprungs), 1930 (Siegfried Wagner), 1931 (Panizza), 1938 (Clemens Krauss), 1943 (Franz von Hösslin), 1949-50 (Wilhelm Furtwängler), 1962-63 (André Cluytens).

Das letzte Mal, dass der Ring in derselben Woche (genauer gesagt in sechs Tagen) aufgeführt wurde, war im Jahr 1938 unter Clemens Krauss, mit den Ensembles der Staatsoper München.

Heute ist es Daniel Barenboim, der dieses Erbe wieder aufnimmt und dem Publikum seine Interpretation Wagners bietet.

 

Stéphane Lissner

 

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Teatro alla Scala